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18. Annual Shuswap Performance 2011

  15. 6. – 17. 6. 2011

Im LAWIE den Veranstaltungssaal  der
Volkshochschule Landstrasse WIEN


"Was ist ein Pow Wow "

Pow Wow's von Peter Schwarzbauer

Pow Wows sind Tanzfeste, wie sie insbesondere über die Sommermonate in vielen Indianerreservaten abgehalten werden. Sie gehoeren heute wohl zu den sichtbarsten Zeichen des Weiterbestehens der Kultur. Obwohl auch Touristen als Zuschauer an den Aktivitaeten teilnehmen, sind die Taenze meist nicht primaer als Touristenattraktion gedacht. Pow Wows haben den Charakter eines sozialen und nicht den eines religioesen Ereignisses. Sie dienen der Unterhaltung sowie dem Wettbewerb (der Taenzer und Trommelgruppen) und bilden einen Rahmen, in dem sich Freunde und Verwandte treffen und Gedanken austauschen koennen.

Die heutigen Pow Wows haben ihren Ursprung in traditionellen Taenzen und Gesaengen unterschiedlicher indianischer Voelker, die zu wesentlichen Teilen - aber nicht ausschließlich - der Plains Kultur zuzurechnen sind. Infolge gestiegener Mobilitaet haben im Laufe der Zeit verschiedene Staemme Lieder, Taenze und Trachten voneinander geborgt. Trotz lokaler Variationen sind viele Pow Wow Elemente austauschbar, die Feierlichkeiten weisen haeufig panindianische Zuege auf.

Pow Wows unterscheiden sich nach Groeße und Veranstaltern. Kleine, lokale Feste koennen etwa von einer Familie veranstaltet werden, andererseits treten viele Stammesregierungen einmal jaehrlich als Organisatoren großer Pow Wows auf. Im ersteren Fall handelt es sich um ein lokales, intimes gesellschaftliches Ereignis, meist liegt ein spezieller, für Familie oder Dorf wichtiger Anlass zugrunde. Die Gastgeber bei kleineren Pow Wows verkoestigen in der Regel alle anwesenden Gaeste umsonst - für viele arme Indianer eine Chance, zu einem Gratisessen zu kommen. Der Großteil der Taenzer und Zuseher kommt aus der unmittelbaren Umgebung des Veranstaltungsortes. Bei großen Pow Wows wird der Wettbewerb staerker betont - je nach Verfuegbarkeit von Sponsorgeldern koennen von Taenzern und Trommelgruppen erhebliche Geldpreise gewonnen werden. Gute Taenzer, Trommler und Saenger sind daher oft den ganzen Sommer ueber unterwegs von einem Pow Wow zum anderen und versuchen so, ihr Einkommen aufzubessern.

In vielen Reservaten sind alle Pow Wow Varianten vertreten. Von Schulen oder von einem indianischen College organisierte Tanzfeste etwa finden anlaesslich des Schulschlusses bzw. der Graduierung statt, Familien geben Feste zu Ehren eines Mitglieds (z.B. traditionelle Namensgebung, bestandener Schulabschluss, Rueckkehr vom Dienst in der Armee). Die wirklich großen Pow Wows werden in der Regel von Stammesregierungen veranstaltet, wie etwa „Crow Fair“ in Montana oder das „Oglala Lakota Nation Pow Wow“ in Süddakota. Hier stehen dann hunderte TaenzerInnen miteinander in Wettbewerb, beobachtet von 10.000 zahlenden Gaesten.

Bei den Pow Wows mit Preisgeldern erhalten die TaenzerInnen bei der Registrierung Startnummern, um von den RichterInnen identifiziert werden zu koennen. Ebenfalls werden den Gesangs- und Trommelgruppen aus diesem Grund Nummern zugeteilt. Waehrend bei den Trommelgruppen ausschließlich die Musik beurteilt wird, werden die Taenzer sowohl nach den Tanzbewegungen als auch nach dem Aussehen und der Qualitaet ihrer Trachten bewertet. Besondere Schmach und Disqualifikation bedeutet das Verlieren einer Adlerfeder waehrend des Tanzens. Das gegenseitige Ausborgen von Liedern ist auch heute ueblich und bei jedem Pow Wow sichtbar. Gesangs- und Trommelgruppen sind ueblicherweise umringt von Mitgliedern anderer Gruppen, welche die Musik auf Kassettenrecordern aufnehmen.

Bei den Pow Wows gibt es, getrennt nach Altersgruppen sowie nach Frauen und Maennern, verschiedene Tanzkategorien, die sich sowohl hinsichtlich der Tanzbewegungen als auch der Tanzkleidung voneinander unterscheiden. "Traditionelle TaenzerInnen" etwa erkennt man an ungefaerbten Adlerfedern und eher dezenten Farben der Kleider. "PhantasietaenzerInnen" hingegen tragen nicht nur grellbunte Kleidung, sondern auch Federschmuck in allen Regenbogenfarben. Die Kleidung (Regelia) der "Grastaenzer" wiederum ist vor allem mit langen bunt eingefärbten Wollfaeden verziert. Bei den Frauen fallen vor allem die "Jingletaenzerinnen" (Jingles sind kleine Blechkonuse, die an der Kleidung angenaeht sind und bei Aneinanderschlagen wie Schellen klingen) und die "Phantasieschaltaenzer" mit bunten fransenbehafteten Umhaengen auf. Für die Zuschauer am attraktivsten sind die sogenannten "Intertribal Taenze", zu deren Teilnahme alle Taenzer gleichzeitig aufgefordert sind. In diesem Fall werden nicht die Taenzer, sondern die Musik bewertet und das gesamte Publikum aufgefordert mitzumachen.

Eine wesentliche Rolle während des Pow Wows kommt neben dem Organisationskomitee und den Richtern vor allem dem Platzsprecher zu, der nicht nur in organisatorischer Hinsicht taetig werden, sondern durch humorvolle Bemerkungen auch das Publikum unterhalten muss. Platzsprecher sind in der Regel zweisprachig. Besonders bei kleineren Pow Wows erfolgt auch heute noch der Großteil der oeffentlichen Kommunikation in der jeweiligen Stammessprache. Bei groeßeren ist - nicht zuletzt aufgrund der Anwesenheit von Mitgliedern verschiedenster Staemme - der Anteil des Englischen ueberwiegend. Gute Pow Wow Sprecher sind sehr gefragt und haeufig auch ueber ihren lokalen Bereich hinaus taetig.

In Britsh Columbien im Westen Kanadas findet alljaehrlich das groesste Pow Wow in Kamloops statt. Veranstaltet von der Shuswap Indian Band. Viele kleinere Pow Wow's sind in der unmittelbaren Umgebung wie Sqilax, Chuchua oder Bonaparte zu finden.

Weiterfuehrende Literatur:
Browner. Tara (2002): Heartbeat of the People: Music and Dance of the Northern Pow-Wow. University of Illinois Press. Urbana IL
Schwarzbauer Peter (1996): Der Lakota-Report. Ein Volk kämpft ums Überleben. Verlag für Amerikanistik. Wyk auf Föhr

Modifiziert von D.A. Krapfenbauer
Wien Kultur

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